Referendariat bestehen? 9 Wege spektakulär zu scheitern
- Rebekka Schuster

- vor 12 Stunden
- 5 Min. Lesezeit

Referendariat bestehen? Ohne mich.
Du willst dein Referendariat bestehen? Stopp! Dann solltest du auf gar keinen Fall weiterlesen. ;) Denn in diesem Artikel geht es nicht darum, wie du souverän deine Unterrichtsbesuche planst, deine Seminarleitung beeindruckst oder das Examen bestehst. Nein! Hier geht es um das Gegenteil: Die 9 zuverlässigsten Wege, dein Referendariat NICHT zu bestehen und spektakulär zu scheitern.
Ich zeige dir absolut wissenschaftlich fundiert, wie du dir im Referendariat systematisch im Weg stehen und eine Fehlentscheidung nach der nächsten treffen kannst. (Vielleicht auch mit einem Augenzwinkern.) Und keine Sorge: Wer die Fehler in diesem Fail-Guide erkennt, ist ihnen schon einen Schritt voraus.

Na, dann wollen wir mal fröhlich mit dem Scheitern beginnen!
INHALTSVERZEICHNIS
1. Perfektion oder gar nichts – Mittelmaß ist Verrat
Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Sei perfektionistisch! Du bist im Referendariat und darfst jetzt NATÜRLICH keine Fehler mehr machen. Das pädagogische Verständis von „Fehler als Chance…“? Wo kämen wir denn da hin? Nein, 100 % ist unterstes Limit – besser durchgehend 200 % geben. Denn Mittelmaß ist Verrat…

Oder vielleicht doch…
… mit dem Pareto-Prinzip Prioritäten setzen und es für den Alltagsunterricht bei 80 % gut sein lassen. Vielleicht ist „gut genug“ ja doch gesünder als „immer perfekt“.
2. Pausen sind Schwäche – Burnout ist dein Ziel
Pausen…. PAUSEN! Wer Pausen macht, ist ein Waschlappen. Du musst durchpowern! Durchziehen! Weitermachen! Gönn dir auf gar keinen Fall einen freien Tag pro Woche. Am 7. Tage ruhen ist doch völlig überholt. Nein, gewinn den Preis ums Burnout-Rennen! Sei ganz vorne mit dabei, um als Erste/r im Lehrerzimmer zusammenzuklappen.

Oder vielleicht doch…
… regelmäßig Pausen machen. Für dich allein, mit Familie und Freunden, abseits von Lehrplänen und Leistungsdruck. Denn Pausen sind keine Schwäche – sie sichern dein Überleben im Referendariat.
3. Schlaf ist überbewertet – Hobbys sowieso
Du solltest nicht nur auf Pausen verzichten – verzichte unbedingt auf Schlaf! Das ist der absolute Geheimtipp im Referendariat, wie du besonders schnell an deine Grenzen kommst. Schlaf ist was für Grundschüler! Nicht für deren Referendare. Wer weiß schließlich nicht, dass eine Kanne Kaffee eine vollwertige Mahlzeit ersetzt? Und Hobbys braucht sowieso kein Mensch. Dreh dich also ausschließlich um die Schule. Vergiss deinen Musikverein, Spieleabende und dein Fitnessstudio – dein neuer Sport heißt „Unterrichtsplanung bis Mitternacht“.

Oder vielleicht doch…
… nicht bis in die Puppen Tippkarten laminieren und Arbeitsblätter korrigieren. Vielleicht macht es ja doch Sinn, regelmäßig Schlaf zu bekommen und vorab noch etwas gemacht zu haben, was nicht mit Sch… anfängt und mit …ule aufhört.
4. Sozialleben ist Ballast – Isolation ist Effizienz
Freunde, Familie und Bekannte hattest du dein ganzes Leben schon. Die können ruhig mal ein, zwei Jahre auf dich verzichten. Familie kann warten – Unterricht nicht. Und du musst doch verstehen, dass Freunde Ablenkung bedeuten und Familie Zeit kostet. Privatleben im Ref ist Luxus und den kannst du dir nicht leisten.

Oder vielleicht doch…
… deine Oma Mechthild einmal im Monat besuchen und über alte Zeiten quatschen. Die Einladung zum Grillabend bei den Nachbarn annehmen trotz Papierstapel auf dem Schreibtisch. Mit deinen Kindern Ligretto spielen bis die Finger wund sind.
5. Quantität vor Qualität – Überblick ist optional
So, nun kommen wir mal zu der echten Arbeit im Referendariat. Schreibe auf jeden Fall seitenlange Verlaufspläne! Versuch dich nicht auf den Kern zu konzentrieren, sondern verliere dich in Einzelheiten. Deine Stundenplanung kann sich ruhig mal über acht, neun Seiten lang ziehen. (Natürlich mit Luft nach oben!) Sobald dein Verlaufsplan auf nur ein oder zwei Seiten passt, hättest du ja fast schon einen Überblick. Schreibe lieber ausschweifend und packe deine Stunden ordentlich voll – es ist immer ein befriedigendes Gefühl, am Ende der Stunde nicht fertig geworden zu sein.

Oder vielleicht doch…
… deine Stundenplanung auf übersichtliche Stichworte reduzieren und kurze Lehrerimpulse ausformulieren. Dabei den Kern „Worum geht es hier eigentlich?“ immer im Blick behalten und vielleicht sogar zum Stundenende mit der Reflexion fertig sein.
6. Selber reden statt denken lassen – Frontal geht immer
Jetzt hast du ja schon 9 Seiten Stundenverlauf geplant, jetzt muss der Stoff nur noch in die Köpfe der Kinder. Und lass dir gesagt sein: Die können nicht viel. Trau ihnen daher lieber nicht allzu viel zu. Sie können weder kommunizieren, kooperieren geschweige denn reflektieren. Rede SELBER viel und lass die Kinder höchstens ein paar Wörter in deinem mündlichen Lückentext füllen. Und am allerwichtigsten: Lass die Kinder nichts von sich aus entdecken! Erstens können sie das gar nicht und zweitens finden sie am Ende noch etwas heraus, was du gar nicht vorgesehen hast. Kaue ihnen bitte alles vor. Das ist das Beste für sie.

Oder vielleicht doch…
… deinen Redeanteil auf das nötigste reduzieren. Kurze, gewinnbringende Impulse stellen und dann die Kinder selbst zu Wort kommen lassen. Und wenn du ihnen dann auch noch Material zur Verfügung stellst, mit dem sie selbst Erkenntnisse gewinnen, ermöglichst du ihnen Entdeckendes Lernen.
7. Show statt Substanz – Hauptsache Eindruck
Jetzt geht´s ans Eingemachte: Unterrichtsbesuche, Lehrproben und Prüfungsstunden. Konzipiere diese Stunden unbedingt NUR für die Prüfer. Lehrprobe ist Theater und du spielst die Hauptrolle! Mach eine riesige Show – kein Mensch wird merken, dass die Kinder sonst nicht so unterrichtet werden. Es geht nicht um didaktisch guten Unterricht, eine klare Klassenführung und eine authentische Lehrerpersönlichkeit – nein! Ein Feuerwerk kompliziertester Methoden und eine Materialschlacht sondergleichen sind gefragt. Also, lass krachen. Und zwar laut!

Oder vielleicht doch…
… eine Stunde zeigen, die sich nach deinen Kindern richtet. Klar – mit guten Ideen, kreativen Ansätzen und wertvollem Material – aber immer im Dienste des Lernens. Kein Hollywood für die Prüfer.
8. Feedback ist Angriff – Selbstkritik ist Pflicht
So, nun hast du deinen Unterrichtsbesuch oder die Lehrprobe hinter dir und gehst ins Reflexionsgespräch. Essentieller Tipp: Nimm die Kritik persönlich! Die Seminarleitung und die Prüfer reden hier nicht über deinen Unterricht, sondern kritisieren deine Person. Und das solltest du möglichst nah an dich heranlassen. Versuche keine konstruktive Distanz zum Gesagten aufzubauen, sondern jeden Kommentar als persönlichen Angriff zu sehen. Und FALLS du ein Lob bekommen solltest, dann überlege dir direkt drei mögliche Kritikpunkte als Gegengewicht. Am wichtigsten ist sowieso, dass du selbst dein härtester Kritiker bist.

Oder vielleicht doch…
… konstruktive Kritik zu Herzen nehmen und ungerechtfertigte Kritik hinterfragen. Und vor allem selbst einen freundlichen und gnädigen Blick auf sich und seine Leistung zu entwickeln.
9. Unterstützung? Nein danke! – Durchhalten ist alles
Falls es dir im Referendariat mal zu viel werden sollte (wovon ja kein Mensch ausgeht), dann lass dir das auf GAR KEINEN FALL anmerken. Das wäre ja ein Zeichen von Schwäche! Leide lieber leise vor dich hin. Erzähle niemandem davon und hol dir unter keinen Umständen Unterstützung! Man sollte das Ref ja wohl alleine schaffen können. Jede Form von Hilfe ist Verrat an der eigenen Leistungsfähigkeit!

Oder vielleicht doch…
… mal um Hilfe bitten und erfahrene Kolleg:innen um Rat fragen. Dich im Seminar zusammenschließen und Ideen, Stunden und Material austauschen. Und dir emotionale Unterstützung von Freunden und Familie einholen, die dich ermutigen und dich ab und zu mal aus dem Schul-Strudel holen.
Referendariat bestehen: Oder vielleicht doch...
Und wenn du dir darüber hinaus Unterstützung im Ref wünschst, weil du trotz dieses „Ratgebers“ das Referendariat eigentlich doch gern bestehen würdest, dann sieh dir hier mein Beratungsangebot an:

Mein Name ist Rebekka, ich bin Lehrerin, Autorin und Beraterin für Referendare des Lehramts Grundschule, um sie während des Refs in fachlicher, didaktischer und pädagogischer Hinsicht zu unterstützen. Wenn auch du dir Hilfe im Referendariat wünschst, dann kannst du mich gerne kontaktieren.
Und nun: Wie auch immer du dich entscheidest – spektakulär scheitern oder doch das Referendariat bestehen wollen – alles Gute für dich und deinen Weg durchs Ref!
Deine Rebekka
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