Lehrprobe: Die 10 größten Denkfehler - und wie du sie vermeiden kannst
- Rebekka Schuster

- 2. Apr. 2022
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.

Der Gedanke an die Lehrprobe im Referendariat kann einem schon mal die Schweißperlen auf die Stirn treiben und ordentlich Herzrasen verursachen. Oft beginnt der Druck lange vor dem eigentlichen Prüfungstag – mit einem Kopf voller To-Do-Listen, vielen gut gemeinten Ratschlägen von außen und der wachsenden Sorge, irgendetwas Wichtiges zu übersehen…
Schließlich sollst du an diesem einen Tag deine geballte Lehrerkompetenz in nur 45 Minuten – gelassen und freundlich lächelnd – einer mehrköpfigen Prüfungskommission beweisen. Nichts leichter als das…

Damit deine Lehrprobe (oder UPP) gelingt und du dem Prüfungstag gelassen entgegensehen kannst, schauen wir uns jetzt einmal die größten Denkfehler rund um die Lehrprobe und wie du sie vermeiden kannst.
INHALTSVERZEICHNIS
Denkfehler Nr. 1: Es gibt sichere Lehrprobenthemen
Es geistern wirklich viele „Tipps“ für gute Lehrprobenstunden da draußen in der Lehrerwelt herum. Sprüche wie „Nimm unbedingt Würfelnetze für deine Lehrprobe. Da hab ich selbst ne 1 drauf bekommen!“ oder „Mach auf gar keinen Fall Frühlingsgedichte. Das machen alle.“ sind vielleicht gut gemeint, aber helfen dir persönlich nicht weiter. Denn sie suggerieren, dass es Erfolgsstunden oder Misserfolgsstunden mit klarem Ausgang einer gewissen Note gibt und vergessen, um wen es in der Lehrprobe eigentlich geht: Um dich und um deine Klasse.

Erst einmal zu dir: Du wirst im Laufe der Zeit festgestellt haben, dass dir bestimmte Unterrichtsfächer oder Teile davon besonders viel Freude machen. Das wird daran liegen, dass du entweder selbst ein Profi in diesem Bereich bist (z. B. Bleistiftzeichnungen im Kunstunterricht oder Geräteturnen im Sport) oder dass du eine authentische Leidenschaft für ein bestimmtes Thema in dir trägst (z. B. mündliches Erzählen in Deutsch oder Umweltschutz in Sachunterricht). Nichts ist überzeugender als echte Begeisterung! Also wähle ein Thema, das dich begeistert. Denn dann – und nun kommen wir zu deiner Klasse – wird deine Begeisterung für das Thema auch auf die Schüler:innen deiner Klasse überspringen. Und das ist spürbar.
Wenn du auf der Suche nach konkreteren Ideen und Lehrprobe-Beispielen bist, dann lies hier weiter:
Lehrprobe Deutsch Grundschule (Ideen für UBs auf Lehrprobe übertragbar)
Denkfehler Nr. 2: Alles muss in diese eine Stunde
Dein Lehrprobenthema steht fest und nun versuchst du, in diese EINE Stunde alles zu packen, was nur geht? Der Wunsch, in der Lehrprobe alles zu zeigen, ist verständlich – führt aber oft zu überladenen Stunden, einer Materialschlacht und dazu, dass am Ende der Stunde die Zeit nicht reicht.
Stattdessen gilt:
1. Klares Stundenziel definieren
2. Jede Phase daraufhin überprüfen: Dient sie diesem Ziel?
3. Mutig streichen, was nicht dem roten Faden folgt

Ein stimmiges Gesamtwerk überzeugt mehr als ein methodisches Feuerwerk.
Denkfehler Nr. 3: Komplexe Methoden überzeugen automatisch
Es gibt wunderbare Methoden, die sich für eine Lehrprobe in der Grundschule eignen: Eine Autorenrunde nach Beate Leßmann im Deutschunterricht oder eine Rechenkonferenz im Anschluss an eine Fermi-Aufgabe im Mathematikunterricht. Klar sind das fantastische Methoden. Aber sie überzeugen in der Lehrprobe nur dann, wenn sie auch zuvor gut trainiert und fest verankert im Alltagsunterricht funktioniert haben.

Wenn du also eine solche Methode wählen willst, dann beginne frühzeitig mit deiner Klasse sie an anderen Themen auszuprobieren und einzuüben. Schau dabei auch auf die Stärken deiner Klasse: Sind die Kinder leidenschaftliche mathematische Tüftler oder vielleicht eher begeisterte Geschichtenerzähler? Können sie im Team Experimente aufbauen, durchführen und evaluieren oder arbeiten sie besonders gut mit der Methode Ich-Du-Wir? Dann wähle die passende Methode für deine Lehrprobe auch auf die Kompetenz deiner Klasse ausgerichtet. Denn hier wird die Begeisterung der Kinder wahrnehmbar sein. Und das merken auch die Prüfer.
Denkfehler Nr. 4: Lehrprobenvorbereitung beginnt mit Terminvergabe
Klar, wenn dein Termin feststeht, dann wird es mit der Vorbereitung auf die Lehrprobe ganz konkret. Und ich will auch nicht sagen, dass du bereits Monate vor deinem Prüfungstermin schon den fertigen Unterrichtsentwurf in der Schublade liegen haben solltest. (Wäre auch nicht sinnvoll!)

Aber es gibt ein paar Tipps und Hinweise, wie du dich langfristig und unaufgeregt auf die Lehrprobe vorbereiten und diesen Tag somit entlasten kannst:
Ideen für mögliche Lehrprobenthemen schon während des Referendariats sammeln und notieren (Insidertipp: In Fachmagazinen findest du oft fantastische Ideen und Stundenentwürfe, die du als Inspiration oder Vorlage unter Angabe der Quelle für deine Lehrprobe nutzen kannst.)
Sozialformen und Methoden, die du möglicherweise in der Lehrprobe anwenden willst, immer wieder mit der Klasse ausprobieren und reflektieren
Unterrichtsbesuche und Seminarbesuche bewusst nutzen, um dich und deine Klasse an die Beobachtungssituation zu gewöhnen (Da hinten sitzen auch nur Menschen.)
Denkfehler Nr. 5: Lehrprobe sollte in der Parallelklasse getestet werden
„Teste deine Prüfungsstunde auf jeden Fall vorab in der Parallelklasse!“ Diese Aussage habe ich schon häufig gehört. Und ich stimme ihr nicht zu. Warum hält sich dieser Denkfehler aber so hartnäckig? Viele glauben, wenn sie in der Parallelklasse ihre Lehrprobe halten, dass sie damit den "sicheren Weg" gehen können und im Vorfeld auf Fehler in der Stundenplanung aufmerksam werden. Ja, es kann sein, dass sich in so einem "Testlauf" der Lehrprobe der ein oder andere Planungsfehler zeigt.

Was allerdings auch sein kann, ist dass du Rückschlüsse aus dieser Test-Stunde ziehst, die gar nicht automatisch relevant für DEINE Lerngruppe sind. Die Parallelklasse hat in der Regel nicht die gesamte Unterrichtseinheit im Vorfeld mit dir als Lehrkraft erlebt und ist auf einem ganz anderen Stand. Und die Parallelklasse verhält sich sehr wahrscheinlich anders in den Bereichen Arbeits- und Sozialverhalten. Wenn du also Rückschlüsse aus der Erfahrung in der Test-Stunde ziehst, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass es auch sinnvolle Rückschlüsse für deine Klasse sind. Und so kann es passieren, dass du (auch in der Lehrprobe selbst) deine eigene Klasse etwas aus den Augen verlierst, weil du zu sehr auf den Annahmen der Erfahrungen in der Parallelklasse fokussiert bist.
Meine Empfehlung ist daher die Elemente deiner Lehrprobe (spezieller Einstieg, besondere Methode, Reflexionsgespräche etc.) in den Wochen und Monaten vor dem Termin mit deinen Kindern auszutesten und deine Rückschlüsse aus diesen Erfahrungen zu ziehen. Und falls du dich doch für den Testlauf in einer anderen Klasse entscheiden solltest, dann achte darauf, dass sich nicht alles auf deine Klasse 1:1 übertragen lässt.
Denkfehler Nr. 6: Ich muss das allein schaffen
Irgendwie steckt das so ins uns drin, dass wir alles allein schaffen wollen, um uns (vermeintlich) nicht die Blöße zu geben. Aber wie hilfreich ist doch ein guter Austausch mit einem Blick von außen, der dich weiterbringt! Such dir also eine kompetente Person deines Vertrauens wie z. B. deine Mentor:innen, die Betreuungslehrkraft, eine Kollegin, um dir Feedback zu holen.
Aber vielleicht stehst du auch gerade kurz vor den Lehrproben und hast keinen passenden Ansprechpartner? Du bist dir unsicher, ob deine Planungen fachlich fundiert und didaktisch-methodisch sinnvoll sind und wünschst dir einen Blick von außen?

Mein Name ist Rebekka, ich bin Lehrerin, Autorin und Beraterin und unterstütze Grundschulreferendar:innen dabei, die Herausforderungen des Referendariats zu meistern. Ich biete eine spezielle Prüfungsvorbereitung an, damit du mit Souveränität und Zuversicht in deine Lehrprobenstunde starten kannst.
Wenn du dir also für deine Prüfungszeit Unterstützung wünschst, dann vereinbare gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch. Hier können wir deine offenen Fragen klären und uns detaillierter mit deinen Anliegen zur anstehenden Prüfung auseinandersetzen:
Denkfehler Nr. 7: Die Prüfer wollen eine perfekte Lehrprobe
Wir wollen uns einmal die Menschen ansehen, die am Lehrprobentag hinten in deiner Klasse sitzen werden. Sind das alles perfekte Lehrkräfte, die nie erlebt haben, dass Unterricht anders läuft als geplant? Sind das alles unfehlbare Autoritäten, die nur darauf warten, Fehler bei dir zu finden? Zum Glück nicht. Auch wenn sich das Prüfungskomitee in deiner Vorstellung vielleicht zu einem Haufen gnadenloser Kritiker entwickelt hat...

Die Prüfer:innen sind in der Regel selbst Lehrkräfte oder haben Erfahrungen im Lehrberuf gesammelt. Sie wissen von den Herausforderungen des Schulalltags und was es bedeutet, 22 hibbelige Drittklässler zu unterrichten. Und ja - sie wollen guten Unterricht sehen und manch einer hat auch eine ganz spezielle Vorstellung, wie das genau aussieht. Aber im Grunde ist den Prüfern wichtig zu sehen, ob insgesamt eine stimmige Stunde vorliegt und insgesamt ein stimmiges Classroom Management erkennbar ist und insgesamt eine souveräne Lehrerpersönlichkeit vor ihnen steht. Es geht nicht um die klitzekleinen Kleinigkeiten, wenn du dich verhaspelt hast und noch einmal neu ansetzen musst. Oder wenn du etwas vom Plan abweichst, weil der geplante Weg nicht aufzugehen scheint. (Ist übrigens ein Zeichen von Flexibilität und Kompetenz, wenn du auf unerwartete Probleme adäquat reagierst und dabei vom Plan abweichst!)
Also stell dir das Prüfungskomitee statt den knallharten Kritikern lieber als unterstützende Beobachter vor, die für dich und deine Klasse nur das Beste im Sinn haben.
Denkfehler Nr. 8: Die Lehrprobe entscheidet alles
Die Wochen vor der Lehrprobe fühlen sich oft wie in einem Tunnel an. Alles führt nur auf diesen einen einzigen Tag hin, alles dreht sich um die Lehrprobe, das ganze Leben hängt (vermeintlich) davon ab. Aber genau darin liegt der Denkfehler. Versuch einmal herauszuzoomen: Was ist das Big Picture bei deiner Lehrprobe?

Es geht doch im Grunde darum, dass du Lehrer:in werden und Kinder auf ihrem Weg durchs Leben ein Stück begleiten willst. Und es geht um deine Schüler:innen als Lernende, die sich durch die Beziehung zu dir, deinen Unterricht und deine Inspiration sowohl Inhalte, Kompetenzen als auch Werte aneignen wollen. Und ja, an dem Tag der Lehrprobe geht es konkret um deine Leistung in der knapp bemessenen Zeit und es konzentriert sich alles auf diese wenigen Minuten. Aber die Lehrprobe ist auch nur ein weiterer Schritt auf deinem Weg zum Lehrerberuf. Mach dir also das Big Picture immer wieder bewusst, um deinen Fokus auf das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Denkfehler Nr. 9: Angst vor der Lehrprobe bedeutet falscher Beruf
Angst vor der Lehrprobe ist keine Seltenheit. Angst vor Kritik, schlechten Bewertungen oder schlicht vor der Prüfungssituation – wenn du das kennst, dann bist du damit nicht allein und es hat nichts mit deiner Eignung als Lehrer:in zu tun. Es gehört natürlich zu den Kompetenzen einer Lehrkraft mit konstruktiver Kritik umzugehen, schließlich üben wir auch „Kritik“ an unseren Schüler:innen. Doch sollte für beide Settings gelten, dass dieses Feedback sachlich und vor allem in einer wertschätzenden Haltung vorgetragen wird. (Die Erfahrung zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist.)

Wenn dich aber die Angst vor der Lehrprobe allzu arg quält, dann führe mal ein klärendes Gespräch mit deiner Prüfungsangst. „Hallo Angst! Grüß dich, jetzt bist du ja schon wieder da. Ja, ich kann verstehen, dass du gerade anklopfst und ich danke dir auch, dass du mich zu Höchstleistungen antreiben willst. Aber gerade hinderst du mich daran, gelassen und fokussiert zu arbeiten. Ich muss mich an dieser Stelle von dir verabschieden, damit ich meine Ziele erreichen kann. Fenster auf: Auf Wiedersehen!“ Was passiert dabei? Zum einen nimmst du innerlich Abstand von der Angst, die sich in deinem Inneren festgesetzt und es sich gemütlich gemacht hat. Und zum anderen nimmt es durch dieses absurde Klärungsgespräch dem ganzen Thema die Schwere und bringt ein wenig Leichtigkeit hinein.
Wenn du allerdings merkst, dass die Angst vor der Lehrprobe dich lähmt und dich handlungsunfähig macht, dann reichen solche Ideen nicht aus. Prüfungsangst ist keine Seltenheit und es gibt professionelle Anlaufstellen und Hilfen, die Wege aus dieser Angst und daraus resultierenden Handlungsunfähigkeit aufzeigen. Tu dir was Gutes und wende dich an eine entsprechende Stelle.
Denkfehler Nr. 10: Die Lehrprobe muss eine 1 werden
So, nun machen wir uns nichts vor: Am Ende wollen wir alle eine gute Bewertung für unsere Lehrprobe bekommen. Die Krux an der Sache ist die, dass wir darauf nur bedingt Einfluss haben. Klar – du bist gut vorbereitet, hast dir wahrscheinlich eh schon die Nächte um die Ohren geschlagen, um noch für jedes Kind eine handgemalte Tippkarte zu erstellen.

Trotzdem kann es passieren, dass du eine Bewertung bekommst, mit der du dich nicht gewertschätzt fühlst und die du als nicht angemessen für deine Leistung empfindest. Daher mein Rat für dich im Vorfeld: Unterscheide zwischen deinen Wünschen für die Lehrprobe und deinen Zielen! Was heißt das? Ziele kannst du beeinflussen, Wünsche nicht. So könnte deine gedankliche Wunsch-und-Ziel-Liste aussehen:
Mein Ziel ist es, an diesem Tag eine gut vorbereitete und durchdachte Stunde zu halten.
Mein Ziel ist es, auch an diesem Tag den Kindern meiner Klasse freundlich und mit Wertschätzung zu begegnen.
Mein Wunsch ist es, dass ich gutes Feedback zu meiner Lehrerpersönlichkeit und meinem Unterricht bekomme.
Mein Wunsch ist es, die Note 1 / Note 2 / Note xy für meine Lehrprobe zu erhalten.
Wenn du dir im Vorfeld bewusst machst, dass Wünsche und Ziele nicht ein und dasselbe sind, kannst du nach deiner Lehrprobe vielleicht differenzierter mit dem Ergebnis umgehen.
Kein Denkfehler: Alles hat ein Ende…
…auch die Lehrprobenzeit! Halleluja! Auch wenn du jetzt gerade noch mittendrin steckst, schmiede Pläne für die Zeit danach: Ein Tagesausflug an den See, ein Wochenendurlaub in den Bergen, eine Safari in Afrika. Egal was - du hast es dir verdient!

In diesem Sinne, alles Gute für deine Prüfungszeit!
Deine Rebekka
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Hallo Rebekka,
ich lese seit einiger Zeit begeistert deinen Blog. Wie schade, dass ich nicht schon zu meiner Lehrprobenzeit davon profitieren konnte, da sie (zum Glück) schon vorbei ist. Deine praktischen und nützlichen Tipps hätten mir wohl sehr geholfen.
Herzliche Grüße
Maria