Unterrichtseinstiege, die wirken: So gelingt dein Stundenstart
- Rebekka Schuster

- vor 21 Stunden
- 7 Min. Lesezeit

Gute Unterrichtseinstiege
Wie finde ich den Einstieg in den Unterricht? Das ist manchmal die schwierigste Frage bei der Stundenplanung. Ein guter Unterrichtseinstieg ist in dreifacher Hinsicht wichtig:
Er muss die Schüler:innen motivieren, damit sie anschließend mit Feuer und Flamme bei der Sache sind.
Er muss zum Stundenziel und damit zur Erarbeitungsphase passend hinführen.
Er sollte Vorwissen aktivieren und Verknüpfungen zum bereits Gelernten möglich machen.
Damit das gelingt, sehen wir uns jetzt einmal verschiedene Beispiele, Ideen und Methoden rund um Unterrichtseinstiege in der Grundschule an:
INHALTSVERZEICHNIS
1. Kreative Unterrichtseinstiege
Was tun, wenn du über der nächsten Stundenplanung sitzt und dir einfach kein Einstieg einfällt? Dann frage dich: Kann ich für dieses Stundenthema etwas finden, was einen der fünf Sinne anspricht?
Die fünf folgenden Beispiele beziehen sich alle auf das Stundenthema „Einstimmung auf den Frühling“, können natürlich aber auch auf andere Stundenthemen übertragen werden.
1.1 Sehen – der Klassiker
Welche realen Gegenstände, Bildkarten oder Fotos (auf dem Smartboard) könntest du verwenden, um zum Stundenthema hinzuführen? Ein Bildimpuls als Unterrichtseinstieg ist klassisch, führt aber auch oft direkt ins Thema hinein.

Visueller Unterrichtseinstieg Beispiele:
Du bringst Frühlingsbilder (ausgedruckt oder digital mit) oder Frühlingsblumen als Realien in die Mitte des Sitzkreises. Daraufhin wartest du Assoziationen, Beobachtungen und Wissensäußerungen deiner Kinder ab.
Alternativ (absoluter Lehrer-Hack) stellst du am Vortag die Hausaufgabe: „Bringe etwas zum Thema Frühling mit.“ Und schon hast du einen motivierenden Einstieg mit lauter unterschiedlichen Gegenständen, zu dem die Kinder je einen Satz im Sitzkreis sagen und ihre Wahl begründen. Anschließend könnt ihr aus den mitgebrachten Dingen direkt eine kleine Frühlingsausstellung aufbauen.
1.2 Hören – der Hit
Über die Akustik kannst du ebenfalls deinen Einstieg gestalten. Musik, Klänge, Geräusche, ein kurzes Hörspiel – all das kannst du ebenfalls für einen Stundenbeginn verwenden (sofern es zum Thema passt!).

Akustischer Unterrichtseinstieg Beispiele:
Du bringst Frühlingsgeräusche (als Audio-Datei) als akustischen Impuls mit: Vogelgezwitscher, das Hämmern eines Spechtes, das Summen der Bienen, das Rauschen eines Baches… Am besten schließen die Kinder bei einem Einstieg übers Hören die Augen, damit sie die Geräusche oder Klänge ganz konzentriert wahrnehmen können. Im Anschluss werden die wahrgenommenen Geräusche und Klänge beschrieben und passende Assoziationen genannt.
1.3 Fühlen – die Überraschung
Wer hat das als Kind in der Grundschule nicht geliebt, wenn die Lehrerin einen abgedeckten Korb mit Gegenständen mitgebracht hat und man durfte durch Fühlen die Dinge erraten? Wenn sich also ein taktiler Einstieg anbietet, dann bringe Gegenstände mit, die von den Kindern ertastet werden können (z. B. in Fühlboxen).

Taktiler Unterrichtseinstieg Beispiele:
Bringe Weidenkätzchen oder Äste mit den ersten Knospen mit und lege sie unter ein Tuch in der Kreismitte. Die Kinder beschreiben, wie sich die Pflanzen unter dem Tuch anfühlen, welche gedanklichen Verknüpfungen sie dazu haben und vermuten, was sie eben ertastet haben.
1.4 Riechen – der Exot
Das Riechen bietet sich nicht mehr für alle Themen an, aber wenn es sich eignet, dann ist es eine besondere Idee. Wenn du also etwas findest, dass sich über seinen Geruch wahrnehmen lässt, dann hast du die Motivation der Kinder bei so einem Einstieg sicher.

Olfaktorischer Unterrichtseinstieg Beispiele:
Langsam wird es schwieriger, aber der Frühling gibt beim Riechen noch etwas her: Bringe Frühlingsblumen (die einen angenehmen Duft haben) mit und lasse die Kinder mit geschlossenen Augen im Sitzkreis nacheinander an den Blüten schnuppern und ihre Wahrnehmungen schildern.
1.5 Schmecken – die Königsdisziplin
Spätestens beim Schmecken wird’s eng. Aber das ein oder andere Mal ist es möglich, den Stundeneinstieg auch mit dem Geschmackssinn zu verbinden. Und wenn die Kinder im Unterricht etwas probieren und kosten dürfen, dann sind sie definitiv on fire!

Gustatorischer Unterrichtseinstieg Beispiele:
Du könntest frischen Bärlauch (oder Bärlauchbutter mit Brot) mitbringen und die Kinder den Geschmack dieses typischen Frühlingsgewächses probieren lassen. Bei Bärlauch eignet sich definitiv auch vorab eine Geruchsprobe, da er im Frühling stark duftet. (Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen – bitte vorab gut informieren.)
Zwischenfazit:
Wenn du also mal wieder über einen Einstieg ins Thema brütest, dann gehe doch einmal die 5 Sinne durch und prüfe, ob ein Einstieg über eines der Sinnesorgane passt.
Aber Achtung – so ein Stundenbeginn mit den Sinnen eignet sich nicht für alle Fächer und Themen! Wichtig ist außerdem, dass der Einstieg die Kinder nicht nur motiviert, sondern auch unmittelbar zielführend zur Erarbeitungsphase überleitet.
Ein sinnesorientierter Einstieg eignet sich vor allem für kreative Anlässe (z. B. Gedichte/Texte schreiben in Deutsch), für Themen im Sachunterricht (z. B. Wald), für Musik, Kunst oder Religion/Ethik. In Mathe oder Sport sind fachspezifische Stundenanfänge wie z. B. Blitzrechnen oder Aufwärmübungen Standard.
2. Problemorientierter Unterrichtseinstieg
Gehen wir also direkt in den Fall über, bei dem sich kein kreativer Unterrichtseinstieg anbietet. Welche Möglichkeiten für einen motivierenden Unterrichtseinstieg hast du dann?
Vor allem für sachliche Themen im Bereich Mathematik, Sachunterricht oder Deutsch eignet sich ein problemorientierter Unterrichtseinstieg. Bei diesem Ansatz wird im Einstieg ein Problem oder eine Frage zur Ausgangslage der Stunde. Besonders reizvoll bei dieser Vorgehensweise ist, dass eben dieses Problem bzw. diese Frage zum Stundenziel führt, dann ebenfalls Thema der Erarbeitungsphase ist und dann auch am Ende in der Reflexionsphase aufgegriffen wird. So spannt sich ein roter Faden durch die gesamte Unterrichtsstunde und lässt sie zu einer runden Sache werden.
Beispiel im Fach Sachunterricht:
In Sachunterricht könnte der problemorientierte Unterrichtseinstieg innerhalb der Unterrichtsreihe „Strom“ (4. Klasse) z. B. wie folgt aussehen: Es wurde bereits entdeckend in der Vorstunde ein einfacher Stromkreis gebaut und nun soll das Lämpchen aber nicht ununterbrochen leuchten. Das Problem lautet also: Wir brauchen einen Schalter. Durch eine Auswahl an Materialien (Wäscheklammer, Alufolie, Tonpapier, Büroklammern etc.) finden die Schüler:innen durch Ausprobieren und Testen verschiedene Möglichkeiten, einen Schalter in den Stromkreis einzubauen.

Beispiel im Fach Mathematik:
Für Mathematik nehmen wir als Beispiel eine Fermi-Aufgabe, die klassischerweise immer mit einer (zunächst unlösbar erscheinenden) Fragestellung beginnt, sich aber durch die Kombination verschiedener mathematischer Problemlöse-Kompetenzen am Ende doch beantworten lässt. Auch wenn es dort nicht DIE eine richtige Antwort geben wird.
Ein Fermi-Aufgabe für eine 3./4. Klasse könnte zum Beispiel mit der Frage im Unterrichtseinstieg beginnen: „Wie viele Geldscheine passen in einen Schuhkarton?“ Über erste Vermutungen, Stützpunktvorstellungen bis hin zu Skizzen, Berechnungen und … in Gruppenarbeit zieht sich diese Frage durch die ganze Unterrichtsstunde und wird abschließend in der Reflexion mit Ergebnisvorschlägen präsentiert und diskutiert.

3. Stummer Impuls
Etwas, was sich für den Einstieg ins Thema besonders gut anbietet, ist der stumme Impuls (teilweise auch stiller Impuls genannt). Warum eigner er sich so gut für den Stundenbeginn?
Nachdem ein Bild, ein Gegenstand, ein Problem oder eine Frage präsentiert wurde, machen Lehrkräfte häufig den Fehler, sämtliche Assoziationen und Gedankengänge der Kinder vorwegzunehmen. Sie reden selbst – anstatt die Schüler:innen zu Wort kommen zu lassen.
Der stumme Impuls sorgt dafür, dass zum einen der Redeanteil der Lehrkräfte reduziert wird und zum anderen, dass die Kinder aktiv werden müssen, da ihnen niemand frontal die Welt erklärt.

Wie kann so ein stummer Impuls als Unterrichtseinstieg konkret aussehen?
Stummer Impuls Beispiel im Fach Deutsch:
Die Kinder sitzen im Kinositz und an der Tafel hängen die Wortkarten „rennen“ – „schleichen“ – „hüpfen“ – „stampfen“ – „essen“ – „tapsen“ – „schreiten“ – „flitzen“ usw. Die Lehrkraft präsentiert die Wortkarten, schaut fragend in die Runde, zeigt evtl. noch einmal auf die Tafel und (Achtung wichtig!) lässt den Kindern dann Zeit zum Lesen, Nachdenken und sich Melden. Nach einer Weile wird das erste Kind aufgerufen, was dann wiederum weitere Kinder aufruft. Mögliche Schüleräußerungen wären dann:
„Das sind alles Verben.“
„Bei den Wörtern steht am Ende immer ein -en.“
„Irgendwie haben die alle was mit Laufen oder Gehen zu tun.“
„Aber eins passt nicht dazu! „Essen“ hat nichts mit Laufen zu tun.“
„Ja, das muss raus. Aber der Rest passt zusammen…“
Durch die Präsentation eines anregenden Inhalts in Kombination mit Raum und Zeit für die Äußerungen der Kinder (und etwas Übung darin) entsteht ein spannendes und entdeckendes Unterrichtsgespräch zum Thema „Wortfeld gehen“.
4. Unterrichtseinstiege Methoden
Abschließend wollen wir uns noch ein paar Methoden ansehen, die sich für den Unterrichtseinstieg besonders eignen. Vor allem, wenn es um die Aktivierung des Vorwissens geht, eignen sich folgende Methoden:
Die Ich-Du-Wir-Methode (nach Ruf/Gallin) oder auch Think-Pair-Share eignet sich nicht nur für den Einstieg, sondern für den Aufbau einer gesamten Unterrichtsstunde, wobei die „Ich-Phase“ in den Einstieg fallen könnte.
Die Placemat-Methode bietet sich ebenfalls für den Einstieg in ein neues Thema an, denn durch sie gewinnt man einen Überblick über die Assoziationen oder das Wissen einzelner Kinder sowie über die Gemeinsamkeiten der Gruppe.
Die Erstellung einer Mind-Map (einzeln oder auch gemeinsam an der Tafel) ist ebenfalls eine Methode, die einen Einblick in das Vorwissen der Lerngruppe bietet und die (je nach Klassenstufe) auch strukturiert angelegt werden kann.

5. Unterrichtseinstiege Ideen – Bonuskapitel
Weil die genannten Ideen rund um motivierende Unterrichtseinstiege noch lange nicht alles abdecken, dann hier noch ein paar Bonus-Ideen:
Einstieg durch Vorbereitende Hausaufgabe: Kinder sollen zu neuem Thema etwas von Zuhause mitbringen – Gesprächsanlass zu Stundenbeginn ist damit gesichert und im Anschluss kann (wenn passend) eine kleine Ausstellung gestaltet werden.
Einstieg über Handpuppe, Klassentier, Identifikationsfigur: Vor allem mit jüngeren Kindern lässt sich ein Einstieg spielerisch gestalten, wenn eine Identifikationsfigur ihn moderiert. Diese kann dann auch am Ende der Stunde in der Sicherung oder Reflexion wieder auftauchen, um der Stunde einen Rahmen zu geben.
Einstieg mit einer Fantasiereise: Ein Klassiker für alle Themen, bei dem es um das Einfühlen oder sich Hineinfantasieren in eine andere Welt geht.
Einstieg mit Nach-und-nach-Entdecken: Vor allem für das Fach Kunst in der Bildbetrachtung eignet sich das Nach-und-Nach-Entdecken eines Kunstwerks. Entweder real oder digital wird das Bild verdeckt gezeigt und erst durch das Entfernen einzelner Streifen oder Abschnitte wird das ganze Werk schrittweise sichtbar.
Einstieg über Provokation/Irritation: Etwas bewusst Fehlerhaftes wird den Kindern präsentiert, was dann zu „Empörung“ und zur Berichtigung seitens der Schüler:innen führt (fällt auch unter die Kategorie "Problemorientierter Unterrichtseinstieg")
Spiele für den Unterrichtseinstieg: Natürlich eignen sich auch kurze Spiele wie Memory in Partnerarbeit, ein Quiz für die ganze Klasse, Rätselaufgaben, Lieder mit Vorwissensaktivierung, eine kurze Pantomime am Anfang u. v. m. für den Einstieg in den Unterricht.

Die Liste rund um Unterrichtseinstiege ist sicher noch nicht vollständig… Aber an dieser Stelle hört sie trotzdem auf. ;) Sämtliche weitere Ideen für Unterrichtseinstiege einfach in die Kommentare schreiben.
Zum Ende dieses Artikels wünsche ich dir gute Unterrichtsanfänge!
Ideen dafür hast du ja jetzt genug.
Deine Rebekka
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