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Gesprächsführung im Unterricht – Unterrichtsgespräche souverän moderieren


Gesprächsführung im Unterricht

Gesprächsführung im Unterricht

Eine gute Gesprächsführung im Unterricht ist Gold wert. Denn wenn das gelingt, stehen die Gedanken und Überlegungen der Kinder im Mittelpunkt und nicht ein lehrerzentrierter Monolog von vorne. Aber gute Gesprächsführung ist gar nicht so leicht.

Vor allem im Referendariat wird häufig Kritik an der Gesprächsführung geäußert sowie eine Reduktion der Lehrersprache und mehr Tiefe im Unterrichtsgespräch gefordert. Das sind auch alles wichtige Kompetenzen, aber WIE kann gute Gesprächsführung gelingen?


Wir sehen uns dazu 7 Grundsätze für gute Gespräche im Unterricht an:

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

1. Das Unterrichtsgespräch führen

Ob ein Unterrichtsgespräch spannend wird und in die Tiefe führt, liegt natürlich an den Aussagen der Kinder. Aber es sind nicht die Schüler:innen, die die Verantwortung für die GesprächsFÜHRUNG tragen. Die Verantwortung für eine gelingende Gesprächsführung liegt beim Lehrer bzw. bei der Lehrerin.


Ich vergleiche das gerne mit einer gut geführten Talk-Runde: Die geladenen Gäste sind interessant, haben spannende Geschichten im Gepäck oder vertreten eine bestimmte Meinung. Wenn ich jetzt einen kompetenten Moderator habe, der gute Fragen stellt, an der richtigen Stelle nachhakt und wiederum an einer anderen Stelle abkürzt, wird das Gespräch in interessante und gewinnbringende Bahnen gelenkt.


Und das lässt sich auch auf das Führen eines Unterrichtsgesprächs übertragen. Auch hier stellt die Lehrkraft passende Fragen, lässt Raum für Antworten (Achtung: Kindern genug Zeit zum Antworten lassen!), gibt neue Impulse, wenn das Gespräch stockt und lenkt zurück aufs Wesentliche, bevor das Unterrichtsgespräch ausfranst.


Konkreter Tipp: To-Go-Tipp

Channel den Markus Lanz in dir, wenn du dich auf ein Unterrichtsgespräch vorbereitest.


2. Unterrichtsgespräche vorbereiten

Und beim Stichwort „Vorbereiten“ wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Vor allem im Referendariat ist die Unterrichtsvorbereitung noch ziemlich ausführlich und es wird von der Seminarleitung auch oft gefordert, dass die Impulse ausformuliert werden. (Eine übrigens sehr gute Empfehlung, um sich bewusst zu werden, was man im Unterricht eigentlich konkret sagen will.)


Daher gilt (wie eben auch bei guten Moderatoren): Eine fundierte Vorbereitung macht am Ende auch ein gutes Unterrichtsgespräch aus. Schreibe dir also mögliche Fragen und Impulse für die konkrete Unterrichtsstunde auf. Wichtig dabei ist, dass du mögliche Schülerantworten vorab einmal gedanklich durchgehst. Wenn dir dabei auffällt, dass du lauter Ja-Nein-Fragen gestellt hast, dann ändere diese geschlossenen in offene Fragen um. Und wenn dir auffällt, dass nur einsilbige Antworten auf deine Fragen möglich sind, dann formuliere nicht-direktive Fragen, die die Antworten nicht bereits im Vorfeld lenken.


Konkretes Beispiel:

„Schaut mal, diese drei Gebäude habe ich mit 4 Würfeln gebaut. Sie sehen alle unterschiedlich aus. Ich frage mich: Ob das wohl schon alle Möglichkeiten sind, die man mit 4 Würfeln bauen kann?“

Stattdessen: Zuerst stummer Impuls mit 4 Würfelgebäuden – dann freie Schüleräußerungen – anschließend Frage: „Welche Möglichkeiten findest du noch?“

 

3. Lehrersprache im Unterricht

Besonders in den Anfängen des Lehrerdaseins ist es unglaublich schwer, während des Unterrichtens und dem Tohuwabohu im Klassenzimmer auch noch bewusst und besonnen auf die Lehrersprache zu achten. Das erfordert ja ein paralleles Zuhören auf das eigene Gesagte – und dafür muss man erst einmal etwas Übung im Unterrichten selbst mitbringen, um dann sich während des Sprechens selber zuzuhören. Dennoch ein paar wichtige Punkte einer guten Lehrersprache im Überblick:


  • Klare Aussagen konkret formuliert

    Statt: „Es wäre wirklich gut, wenn jetzt mal alle ihre Hefte unters Mäppchen legen könnten!“

    Lieber: „Lege dein Heft unters Mäppchen.“


  • Besser kurze Hauptsätze als verschachtelte Nebensätze

    Statt: „Du darfst nun als Nächstes, wenn du dein Rechenmaterial in den Schulranzen geräumt hast, mit den Aufgaben im Buch… Moment! … im Buch auf Seite 95 weiterrechnen.“

    Lieber: „Räume dein Rechenmaterial in den Schulranzen. Rechne im Buch auf Seite 95 weiter.“


  • Mit möglichst ruhiger, bestimmter Stimme sprechen

    Statt vor Aufregung und Anstrengung mit hoher, piepsiger Stimme durchs Chaos zu rufen, lieber einmal lange ein- und vor allem ausatmen und dabei ein tiefes „Mhm“ wie bei einem Stück Schokolade auf der Zunge sprechen (merkt bei der Lautstärke im Klassenzimmer eh niemand) und dann mit ruhigerer Stimme bestimmt auftreten

 

4. Gute Impulse für eine gelingende Gesprächsführung


Nun sind wir schon bei den konkreten Impulsen für ein Unterrichtsgespräch angelangt. Und ich behaupte, dass man mit 10 gut gewählten Impulsen bzw. Sätzen wunderbar durch eine Unterrichtsstunde kommen kann. Sehen wir uns diese 10 Impulse einmal genauer an:


  • Impulse 1, 2 und 3 brauchst du, um im Unterrichtseinstieg ein aktivierendes Unterrichtsgespräch zu starten.

  • Satz Nummer 4 ist nun das Stundenziel, das jetzt genannt wird, wenn alle Kinder im Thema angekommen sind (und nicht schon vorab bei der Stundentransparenz, wie es leider von vielen Seminaren gefordert wird…)

  • Die Sätze 5, 6 und 7 sind für den Arbeitsauftrag reserviert. Mit maximal drei Schritten bleibt es für die Schüler:innen übersichtlich und damit der Auftrag kurz und knapp bleibt, beginne den Auftrag mit dem Verb bzw. dem Operator.

  • Impulse 8, 9 und 10 sind dann für die abschließende Reflexion vorgesehen. Hier kannst du die Erkenntnisse der Kinder noch einmal in die Tiefe führen mit gut gewählten Anregungen und Denkanstößen.


Konkrete Idee:

Plane eine Unterrichtsstunde einmal mit plus minus 10 Impulsen und beobachte, ob sich dadurch eine gezieltere Gesprächsführung ergibt. (Natürlich zählen Begrüßung, Lob, Ermahnungen etc. nicht hinzu.)

 

5. Unterrichtsgespräch am konkreten Beispiel

Jetzt haben wir uns eben die Unterrichtsphasen angesehen, in denen diese 10 möglichen Impulse verortet sind. Nun wollen wir das einmal an einem konkreten Beispiel sichtbar machen. Wir ziehen dazu die Unterrichtsstunde „Triff die 1000“ von PIKAS heran und formulieren exemplarisch 10 mögliche Impulse für diese Mathematikstunde:


  • 1. Einstieg mit stummem Impuls „437+562“ (mit Ziffernkarten untereinander an der Tafel notiert) und anschließenden Schüleräußerungen

  • 2. Ebenfalls stummer Impulse als Wortkarte „Triff die 1000“

  • 3. Möglicher Impuls (wenn von Schülerseite aus wenig oder nichts kommt): „Hier musst du knobeln. Wie könnte das gehen?“

  • 4. Angabe des Stundenziels: „Heute wollen wir möglichst geschickt Additionsaufgaben mit der Summe 1000 finden.“

  • 5./6./7. Arbeitsauftrag in drei Sätzen:

    „Finde möglichst geschickt Additionsaufgaben mit der Summe 1000.

    Verwende dazu deine Ziffernkarten.

    Erkläre deinem Partner deine Strategie.“

  • 8./9.10. Impulse in der Reflexion:

    „Wie hast du die 1000 getroffen?“

    „Erkläre deine Strategie.“

    „Was hat dir geholfen, um die 1000 zu treffen?“


Dieses Gerüst kommt nun mit 10 geplanten Aussagen zurecht. Was nicht bedeutet, dass im Stundenverlauf nicht noch der ein oder andere hilfreiche Impuls gegeben oder eine vertiefende Frage gestellt wird. (Und natürlich auch Vorstunden zum Vorgehen mit Finden von Summen notwendig sind, wie bei PIKAS nachzulesen ist.) Es soll nur klarmachen, dass anhand weniger gut durchdachter Impulse eine Stunde in ihrem Kern geplant werden kann. Und durch einen geringen Sprechanteil der Lehrkraft, entsteht mehr Zeit und Raum für die Arbeit und Gespräche der Kinder.

 

6. Methoden für gute Unterrichtsgespräche

Es lohnt sich, ein paar Methoden für gute Gespräche in der Klasse zu etablieren, die sich langfristig auf jedes Unterrichtsgespräch auswirken werden. Sehen wir uns einmal drei mögliche Methoden an:


  • Think-Pair-Share (oder auch DAB-Methode „Denken-Austauschen-Besprechen“):

Im ersten Schritt denken die Kinder über die Frage erst einmal selbst nach, um sich dann mit einem Partner darüber auszutauschen und abschließend über die Frage mit der ganzen Klasse zu diskutieren. Diese Gesprächsform lässt jedes Kind zu Wort kommen und nicht nur die ersten drei, die sich am schnellsten melden. Und sie ermöglicht eine Vertiefung des Unterrichtsgesprächs, da von der individuellen Ausgangslage nach und nach unterschiedliche Ansichten und Herangehensweisen hinzukommen.

 

  • Kugellager:

Die Kinder stehen hier in zwei Kreisen (Innenkreis und Außenkreis) sich paarweise gegenüber und tauschen sich über ein bestimmtes Thema aus. Auch hier kommen die Schüler:innen vertiefend miteinander ins Gespräch, da die Gesprächspartner durch die Rotation des Außenkreises immer wieder wechseln.

 

  • Museumsrundgang:

 Auch der Museumsrundgang bietet sich für einen Austausch nach der Arbeitsphase an, wenn die Schülerergebnisse auf den Tischen präsentiert werden und die Kinder sich durchs Klassenzimmer bewegen, bei den unterschiedlichen Ergebnissen stehenbleiben und mit anderen Mitschüler:innen darüber ins Gespräch kommen.

 

  • Sitzkreis oder Kinositz:

 Auch wenn es mehr Arbeit ist und manche Klassenzimmer es räumlich kaum zulassen: Ein gutes Unterrichtsgespräch entsteht viel leichter im Sitzkreis oder Kinositz als frontal im Plenum. Wenn dir als Referendar an dieser Stelle rückgemeldet wird, dass es ein klassischer Lehrer-Schüler-Dialog mit Ping-Pong-Effekt war, dann liegt das auch an der Sozialform. Denn wenn alle am Platz sitzen, entsteht natürlich nicht das Gefühl eines gemeinschaftlichen Gesprächs. Daher plädiere ich für Einstieg und Reflexion, wenn es denn geht, diese im Sitzkreis oder Kinositz abzuhalten.

 

Wenn wir aber noch einmal auf die Gesprächsführung durch die Lehrkraft zu sprechen kommen, können wir uns auch hier Methoden bzw. Techniken ansehen, die ein gelingendes Unterrichtsgespräch möglich machen:

 

  • Aktives Zuhören:

 Ist eigentlich ein alter Hut, aber wer hört denn tatsächlich aktiv zu? Dazu gehört als allererster Schritt, sich wirklich auf das Gesagte der Kinder einzulassen und ganz aufmerksam hinzuhören. Wenn etwas unklar ist, dann direkt nachfragen bzw. paraphrasieren „Hab ich dich richtig verstanden, dass…“ oder „Du meinst also…“. Durch Zuwenden und Nicken wird ebenfalls ein aktives und wertschätzendes Zuhören zum Ausdruck gebracht, was auch zurückhaltende Schüler:innen dazu ermutigt, sich mit ihren Gesprächsbeiträgen einzubringen.

 

  • Offene Fragen:

 Ebenfalls bekannt, aber dennoch passiert es, dass man fragt: „Hat dir das Material beim Rechnen geholfen?“ anstatt „Was hat dir heute beim Rechnen geholfen?“. Also bei der Vorbereitung unbedingt auf die konkrete Formulierung achten, damit keine bloßen Ja-Nein-Antworten ein vertiefendes Unterrichtsgespräch unmöglich machen.

 

  • Warten, warten, warten:

 Nachdem du als Lehrkraft eine Frage gestellt oder einen Impuls gegeben hast: Abwarten! Ja, es ist schwer, diese Stille für einen scheinbar ewigen Moment auszuhalten. Aber gib den Synapsen deiner Schüler:innen die Chance sich zu verschalten. Und während es für einen kurzen Moment ruhig ist, werde selbst nicht hibbelig, sondern genieße diese Ruhe! Du kannst die Zeit ja für eine kurze Atemübung nutzen…

 

7. Gespräche im Unterricht – Ein Fazit

Eine gute Gesprächsführung führt zu einem guten Unterrichtsgespräch. Und ein gutes Unterrichtsgespräch führt zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsinhalt. Und eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsinhalt führt zu einer Lernwirksamkeitserfahrung auf Seiten der Kinder.


Es lohnt sich also, in eine gute Gesprächsführung zu investieren – mit bewusster Lehrersprache, vorbereiteten Impulsen, passenden Methoden und der Fähigkeit, abzuwarten.


Alles Gute dafür!

Deine Rebekka

 

 


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Image by Janosch Diggelmann
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